Burning Chrome

Veröffentlicht am Donnerstag, 4. September 2008, von infinity auf Alphane Moon

Man muss schon unter einem besonders abgelegenen Felsen in der Atacamawüste leben oder vielleicht als Eremit in der Taklamakan ein medienfreies Dasein in der Einöde fristen, um es nicht mitbekommen zu haben: Google hat einen neuen Browser in die Welt gesetzt. Das soll gut sein für Entwickler, habe ich gelesen. Zeit für den Flammenwerfer.

Burning Chrome.

SVG in Google Chrome

Das hat mich natürlich brennend interessiert. Ein neuer Browser - was ist mit SVG?
Chrome kann SVG anzeigen. Die Rendering-Engine von Chrome ist eine ältere Version von Webkit (525.13) und kann deshalb jedenfalls nicht mehr als ein aktueller Build von Webkit oder Safari. Einige SVG-Bugs, die in neueren Versionen behoben sind, tauchen damit wieder auf.

Es gibt Unterschiede in der Darstellung von Webseiten und Grafiken zwischen Safari und Chrome. Das Bild zeigt einen Vergleich von zwei Screenshots einer SVG-Grafik, es handelt sich um einen Ausschnitt aus meinem Inline-SVG-Test (das linke Auge des Smileys).

Ein Vergleich zwischen Safari und Google Chrome bei der Darstellung von Scalable Vector Graphics (SVG).

Links ist das erwartete Ergebnis in Safari 3.1.2 (525.21) unter Windows zu sehen, rechts die Darstellung in Chrome (525.13). Chrome rendert die Grafik mit seltsamen Ecken, eine ganz runde Sache ist das noch nicht.

Bei einigen Seiten gibt es ganz massive Probleme, zum Beispiel zeigt Chrome meine Seite über die Sierpinski-Dreiecke mit SVG nicht an. Nichts ist zu sehen, außer diesem Hinweis:

Oje, so ’n Mist, die SVG-Grafiken und die Webseite werden nicht angezeigt, gar nichts ist zu sehen.

Woran liegt das? Ich habe keine Ahnung. Die Seite verwendet ziemlich viel SVG, vorherige Versionen von Webkit haben die Seite normalerweise schon angezeigt. Der aktuelle Nightly Build von Webkit stürzt allerdings ebenfalls ab - komplett. Schade.

Die Darstellung der Füllmuster auf meiner Seite über die Ouchi-Illusion hatte älteren Safari- und Webkit-Versionen einige Schwierigkeiten bereitet, bei Chrome tritt das Problem nicht auf.

Fortgeschrittene Features wie Filter oder Animationen, die in Opera schon gut funktionieren, werden von Chrome bisher nicht unterstützt. Meine Dark-Glow-Grafiken müssen wohl noch einige Zeit ohne Leuchten auskommen, bis auch Webkit <feGaussianBlur> versteht. Insgesamt hat Chrome mehr SVG-Unterstützung zu bieten als der Internet Explorer. Das ist immerhin etwas und es kann nur besser werden. Leider gibt es noch ganz andere Probleme:

Carpet Bombing Vulnerability

Die Carpet Bombing Vulnerability von älteren Webkit-Versionen ist schon länger bekannt, sie ist in aktuellen Versionen von Safari behoben. Carpet Bombing war der Grund, warum Microsoft von der Benutzung der damaligen Version von Safari für Windows abgeraten hat. Ich habe hier ein paar Links zum Thema gesammelt:

Das Problem sollte beim nächsten Update behoben werden, sonst wird es unangenehm. Bis dahin sollte man Google Chrome nicht benutzen.

Focus Stealing Bugs

Hier ist noch ein weiteres Leiden: Focus Stealing.

<form>
  <label>
    <input type="file" name="hucke" /><br />
    <input type="text" tabindex="1" name="voll"  />
  </label>
</form>

Versuch mal in das Textfeld zu schreiben.

Knistern vom Scheiterhaufen

Da ist noch die Sache mit der EULA (End User License Agreement). Das ist die kleingedruckte Nutzungsbedingung, die man bei der Installation bestätigen muss. Das hatte man verschüsselt, einige haben es bemerkt und ein Feuer angemacht. Jetzt wird nachgebessert:

Die geheimnisvolle und geschwätzige Omnibox trifft nicht überall auf Begeisterung:

Mehr vom Scheiterhaufen gibt es hier zu lesen:

Ein Fall für die Tonne ist der Versuch mancher Google-Mitarbeiter die Bedenken einiger Menschen, ob Chrome Daten ausspioniert, einfach als paranoide Spinnereien und Verschwörungstheorien zu verwerfen. Schlecht! Dafür gibt es 5 Daumen runter von mir.

Fazit

Nerds und Google Fanboys finden’s toll. Ich finde es gut, dass es einen weiteren Browser gibt, der SVG zumindest teilweise unterstützt. Das war ja auch das Detail, das mich eigentlich an Chrome interessiert hat. Die anderen Aspekte enttäuschen mich aber so sehr, dass ich Chrome nie wieder benutzen werde: Alles Hype, Burn in Hell!

all content copyright © 2007-2010 Alphane Moon