Veröffentlicht am Montag, 27. Oktober 2008, von infinity auf Alphane Moon
Ein Kiefernwald ist ein Ort voller Überraschungen. Dort gibt es Dinge zu sehen. Teile von Wesen, die unter der Erde leben, dringen an die Oberfläche und verbreiten Sporen. Manche bilden Gruppen, andere sogar Ringe - ich meine das nicht algebraisch. Einige werden von Schnecken gefressen. Dramen spielen sich ab.

Nur wenige Zentimeter vom Boden entfernt sieht man die Welt aus einer anderen Perspektive.

Eine Gruppe Pilze wächst im saftig grünen Moos ohne dabei konspirativ zu wirken.

Ein „Kleiner Brauner“ ist in Österreich ein Espresso. Dieser hier ist wahrscheinlich koffeinfrei.

Die Pilze habe ich nicht näher bestimmt. Wer möchte, kann sich auch selber klangvolle Namen ausdenken, wie Feenkissen oder Geisterkappe.

Aha! Klein und gelb, das liegt irgendwie im Trend, weil ich das schon öfters gesehen habe in diesem Herbst. Aber so schön eingebettet in das Grün der Moose, das ist schon was.

Und noch ein kleiner weißer Pilz, der im Moos von der Sonne beleuchtet wird.

Dieser braune Pilz, der einen mit seinen Kiefernadeln auf dem Schirm so freundlich anlächelt, behütet einen kleinen Bovist. Fürsorge bereitet ihm offensichtlich großes Vergnügen.

Er ist so klein … und so schief! Aber mit einer etwas längeren Belichtungszeit bringen wir auch dieses schüchterne Exemplar ganz groß raus. Es gibt also keinen Grund den Kopf hängen zu lassen oder irgendwie geknickt zu sein.

Und das bin ich, im Hintergrund der Kiefernwald, in dem ich die winzigen Pilze gefunden habe.
Fundort der Pilze ist ein Kiefernwald in einer Höhe von 1100 Metern über dem Meeresspiegel. Er befindet sich in der Nähe von Hinterthal bei Maria Alm am Steinernen Meer in Österreich. Die Fotos habe ich am 11. und 12. Oktober 2008 aufgenommen.
#1 MrMittens hat geschrieben:
Am 28. Oktober 2008 um 22:42
Wer hier wen hütet, das muss noch festgestellt werden. Es gibt tatsächlich parasitische Pilze, die sich an den Boleten (Boletus spec.?/Suillus spec.?) laben. Habe mein Pilzbuch leider in Westport.
MrMittens ^-^
#2 MrMittens hat geschrieben:
Am 29. Oktober 2008 um 02:21
Der Bolet Boletus parasiticus labt sich am Bovist Scleroderma citrinum (eigentlich auch ein Bolet) und falls der Bolet plötzlich gammlig ausschaut, war es der „Parasit-Parasit“ Hypomyces chrysospermus.
#3 Alphane Moon hat geschrieben:
Am 30. Oktober 2008 um 21:58
Aha, das hat dann also nichts mit Fürsorge oder Altruismus zu tun. Aber grinsen tut er dabei, er wird schon wissen warum …
#4 MrMittens hat geschrieben:
Am 31. Oktober 2008 um 01:49
Das Phänomen von Parasiten auf Parasiten konnte ich in der Nachbarschaft um WPI (Worcester Polytechnic Institute) im Sommer beobachten. Kleine Boviste neben Boleten, die plötzlich gammelig wurden.
Auf dem Bancroft Tower Hügel gab es mindestens fünf verschiedene Boletus/Suillus Arten, die ich photographiert habe. Manchmal kann man eine Art am Vorkommen eines Parasiten bestimmen. Auch eine Art von Bolet, die insbesondere in Neuengland vorkommt, B. bicolor, war dort zu finden.
#5 Rosemarie hat geschrieben:
Am 11. Februar 2009 um 18:57
Guten Tag,
nachdem ich mich an der Perspektive erfreut habe, mit der Sie die Welt auf dieser Website darstellen, erlaube ich mir eine Frage.
Ich habe heute ein Bild mit Pilzen veröffentlich, von denen ich gerne wüßte, ob es sich dabei wohl auch um Boviste handeln könnte. Würden Sie einmal auf
http://spessart.wordpress.com/ vorbeischauen?
Viele Grüße aus dem Spessart,
Rosemarie
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